Kinderwunsch ist ein hochkomplexes und sensibles Thema. Über die Jahre habe ich in meiner Praxis für Osteopathie und Naturheilverfahren in Lahnstein viele Patientinnen begleiten dürfen. Oft wurde ich gefragt, was Frau und Mann selbst für eine gelungene Schwangerschaft tun können. Im Folgenden habe ich ein paar Gedanken dazu notiert…

 

I.      Zehn Tipps bei Kinderwunsch

 

1. Dünnen Sie Ihren Terminkalender aus

Machen Sie sich frei von jeder Form Stress. Auf körperlichen und psychischen Stress reagiert der Körper mit einer verminderten Fruchtbarkeit – er muss schließlich davon ausgehen, dass die Zeit für eine Schwangerschaft ungünstig ist. Schaffen Sie sich deshalb „stressfreie Zonen“. Für einen fruchtbaren Zyklus ist ein hormonelles Gleichgewicht Voraussetzung. Gestresste Frauen haben oft einen erhöhten Prolaktin-Wert. Dieses Hormon, das beispielsweise für die Milchproduktion in der Stillzeit zuständig ist, kann auch den Eisprung bremsen oder die Einnistung des Eis in der Gebärmutter stören.

2. Schlafen Sie regelmäßig

Alle Aktivitäten in der Nacht, wie ausgelassene Partys oder Nachtarbeit, sollten Sie vermeiden, weil das den  Biorhythmus durcheinander bringt. Fruchtbarkeit braucht Licht! Bei Dunkelheit produziert Ihr Körper viel Melatonin, ein Hormon, das seinerseits das Eisprung auslösende Hormon LH unterdrückt. Die Folge: Es kann verspätet oder gar nicht zum Eisprung kommen. Wenn Sie späte oder unregelmäßige Arbeitszeiten haben, versuchen Sie zumindest vorübergehend mehr Tagschichten zu bekommen.

3. Meiden Sie Hitze und Strahlung

Unter anderem ist die Fruchtbarkeit des Mannes stark temperaturabhängig. Die eingestellte Sitzheizung im Auto, ausgedehnte heiße Bäder, viele und lange Saunasitzungen, ein Laptop auf den Knien oder ein Handy in der Hosentasche sowie enge Hosen führen zu einer Überhitzung der Keimdrüsen und können die Spermienproduktion stören.

4. Lernen Sie Ihren eigenen Zyklus kennen

Die Eizelle kann nur 12 bis 18 Stunden nach dem Eisprung befruchtet werden und die Spermien können maximal fünf Tage in der Gebärmutter überleben. Folglich können Sie pro Zyklus nur an sechs Tagen schwanger werden. Der Eisprung (Ovulation) findet bei den meisten Frauen ungefähr 12 bis 16 Tage vor der Regelblutung statt. Der Zeitraum zwischen dem Eisprung und der Menstruation ist bei den meisten Frauen recht konstant. Schwankungen im Zyklus liegen meist an einer verzögerten oder beschleunigten Eireifung. Gründe dafür können Reisen, Stress oder auch Freude sein. Je besser Sie Ihre Körpersignale wahrnehmen lernen, umso mehr Einfluss können Sie somit auf Ihre Fruchtbarkeit nehmen.

5. Wenden Sie die Temperaturmethode richtig an

Viele Paare nutzen die Temperaturmessmethode, um die fruchtbare Zeit zu ermitteln. Fälschlicherweise glauben viele, dass der ideale Zeitpunkt für die Zeugung dann sei, wenn die Basaltemperatur gestiegen ist. Dann ist es aber bereits zu spät – der Eisprung hat schon stattgefunden. Das Ei kann nur am Tag des Eisprungs und 12 bis 18 Stunden danach befruchtet werden. Doch weil die Samenzellen bis zu fünf Tage überleben können, zählen sie vor dem Eisprung zur fruchtbaren Zeit.

6. Übertreiben Sie es nicht

Kinderwunsch ist kein Leistungssport! Enthaltsamkeit steigert Ihre Befruchtungs-Chancen! Haben Sie mehrmals hintereinander Geschlechtsverkehr, wird die Konzentration der Spermien im Ejakulat des Mannes mit jedem Mal geringer. Erst nach etwa zwei bis fünf Tagen nimmt die Spermienzahl und -qualität wieder zu. Am höchsten ist sie nach zehn Tagen Enthaltsamkeit.

7. Beachten Sie folgendes beim Sex

Bleiben Sie also lieber noch ein Weilchen im Bett liegen. Wenn Sie unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr aufstehen und duschen, verbleiben die Samen nicht lange genug an Ort und Stelle und Sie spülen sie einfach fort. Sollten Sie Gleitcremes verwenden, vermeiden Sie Produkte auf Ölbasis. Die meisten Gleitmittel verändern das Scheidenmilieu, sodass die Samenzellen den Eileiter nicht mehr erreichen können.

8. Lassen Sie sich regelmäßig untersuchen

Verschleppte und unerkannte Infektionen im Genitalbereich sind nicht selten der Grund für Unfruchtbarkeit. So ist zum Beispiel eine unbemerkte Clamydien-Infektion eine der häufigsten Ursachen für Eileiterstörungen. Vorsicht auch vor verschleppten Blasenentzündungen oder Pilzinfektionen. Gehen Sie frühzeitig zum Arzt und kurieren Sie Ihre Beschwerden stets ganz aus. Meist muss der Partner mit behandelt werden, um gegenseitige Ansteckungen zu vermeiden.

9. Lassen Sie sich vom einem Arzt beraten

Die Fruchtbarkeit kann durch manche Arzneimittel beeinträchtigt werden. So bewirken etwa Husten- und Erkältungsmittel nicht nur das Abschwellen der Nasenschleimhaut, sie können auch die Schleimhäute der Geschlechtsorgane austrocknen. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Arzt, wenn Sie regelmäßig etwas einnehmen müssen. Besondere Vorsicht gilt auch beim Umgang mit Giftstoffen: Wenn Sie es im Berufsalltag mit giftigen Substanzen zu tun haben, sollten Sie sich auf diese testen lassen. Eine Anreicherung von Schwermetallen wie Blei, Cadmium und Quecksilber im Körper könnte auf Dauer unfruchtbar machen.

10. Planen Sie Fernreisen mit Bedacht

Vertagen Sie Ihre Fernreisen auf später, wenn Sie schwanger werden möchten. Eine starke Klima- und Zeitumstellung kann Ihren Zyklus durcheinander bringen. Und auch Reisekrankheiten, die häufig mit Antibiotika behandelt werden, können eine Schwangerschaft verhindern. Tropenimpfungen wie beispielsweise die Malariaprophylaxe sind für den Körper eine starke Belastung, und passen deshalb nicht zu einer bevorstehenden Schwangerschaft.  Impfungen gegen Hepatitis oder Tetanus sind dagegen unbedenklich.

 

II. Ernährung bei Kinderwunsch

 

Essen Sie sich schwanger

Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung. Wichtig für die weibliche Fruchtbarkeit sind B-Vitamine, speziell Folsäure, die auch während der Schwangerschaft eine Schlüsselrolle spielt. Essen Sie viel grünes Gemüse, Kartoffeln und Vollkornprodukte. Weitere wichtige Vitalstoffe sind Betakarotin (in Karotten, grünem Gemüse, gelbem und orangenem Obst, Milchprodukten), Vitamin C (in Zitrusfrüchten, Beeren, Tomaten, Kartoffeln), Vitamin E (in Körnern & Keimen, kalt gepressten Ölen), Jod (in Meeresfischen, Jodsalz, Broccoli, Spinat und Pilzen) sowie Selen (in Sojabohnen, Getreide, Fisch und Fleisch).

Vitamine für ihn

Auch die Essgewohnheiten Ihres Partners sind ausschlaggebend: Für die Spermienbildung sind die Vitamine C, E und B12 unerlässlich. Männer sollten auch auf eine ausreichende Zinkzufuhr achten, um Anzahl und Konstitution ihrer Samenzellen positiv zu beeinflussen. Viel Vollkorn- und Milchprodukte sowie Kürbiskerne, Meeresfrüchte, Haferflocken und Bohnen sollten jetzt den Speiseplan füllen. Lycopen – ein Carotinoid – soll ebenfalls die Erfolgsquote des Spermas verbessern (enthalten in Tomaten, Muscheln, Trauben und Melonen).

Kein Alkohol und Nikotin

Selbst Frauen, die gemäßigt rauchen, haben gegenüber Nichtraucherinnen deutlich schlechtere Chancen schwanger zu werden. Bei ihnen ist die Schadstoffkonzentration der Gebärmutterschleimhaut und den Eibläschen stark erhöht, was die Befruchtung und Einnistung einer Eizelle erschweren kann. Bei rauchenden Männern verringert sich die Samenmenge und die Testosteronproduktion. Auch Alkohol sollten Paare mit Kinderwunsch nur in Maßen genießen. Ab fünf Gläsern Wein oder Bier pro Woche nimmt die Fruchtbarkeit der Frau um 40 Prozent ab; bei Männern wirkt sich der Alkoholkonsum auf die Samendichte und die Vitalität der Spermien aus. Noch dazu senkt Alkohol die Erektionsfähigkeit und dämpft auf Dauer die Lust auf Sex.

Schränken Sie Ihren Kaffeegenuss ein

Ihre Empfängnis wird ab fünf Tassen Kaffee oder fünf Gläsern Cola pro Tag erschwert. Bei zu viel Koffein steigt auch die Gefahr eines Aborts, das heißt, Sie könnten ihr Kind schon im Anfangsstadium der Schwangerschaft verlieren. Ein bis zwei Tassen am Tag sind unbedenklich. Und für Männer gilt, dass der die Samenaktivität ab vier Tassen Kaffee und zwanzig Zigaretten pro Tag deutlich abnimmt.

Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht

Über- oder Untergewicht muss die Fruchtbarkeit nicht zwangsläufig beeinträchtigen. Immerhin leiden zwei Drittel der Frauen, die mehr als 20 Prozent über ihrem Normalgewicht wiegen (Körpergröße minus 100) jedoch an Zyklusstörungen. Ebenso Frauen, die ihr Idealgewicht um mehr als zehn Prozent unterschreiten. Ihr Körper reagiert darauf möglicherweise mit dem Ausbleiben eines Eisprungs oder der Regel. Ein Körperfettanteil von etwa 29 Prozent ist optimal für eine Frau, um schwanger zu werden.

III. Ganzheitliche Behandlungsmethoden bei Kinderwunsch

Akupunktur

Die Traditionelle Chinesische Medizin hat einen ganzheitlichen Ansatz, eine lange Tradition, wenig Nebenwirkungen und kaum Risiken für Mutter und Kind. Durch Akupunktur, Ernährungsumstellung, Änderung der Lebensführung, körperliche Übungen und Kräuter wird das Gleichgewicht im menschlichen System wieder hergestellt.

Fußreflexzonentherapie

Mit der Fußreflexzonentherapie nach Hanne Marquardt ist es möglich, gezielt die Beckendurchblutung zu verbessern und die Hormonachse zu aktivieren, ebenso das Lymphsystem und die großen Ausscheidungsorgane. Begleitet wird die Fußreflexzonentherapie – wenn notwendig – vom therapeutischen Gespräch. Erfahrungsgemäß kommen in der Phase der therapeutischen Berührung oft Aspekte der Wahrnehmung ins Gespräch, die die Patientinnen in der Erstanamnese selber noch gar nicht präsent hatten oder nicht hätten benennen können.

Osteopathie

Mit Osteopathie werden Dysfunktionen der Organe, der Hirnhäute und der Gelenke gefunden und behandelt. Diese können so vielfältig wie der Körper an sich sein.  Oft verhindern Störungen auf dieser Ebene eine physiologische Schwangerschaft.

Physikalische Maßnahmen

Unter den physikalischen Methoden sind ansteigende Fußbäder eine einfache und wirksame Methode, um die Durchwärmung von Füßen und Beckenorganen zu verbessern. Dazu werden die Füße in eine geeignete Schüssel in Dusche oder Badewanne gestellt. Diese wird mit lauwarmem Wasser gefüllt, das etwa bis über die Knöchel reicht. Dann wird über einen Zeitraum von ca. 20 Minuten stetig heißes Wasser nachgeschüttet, bis die individuelle Wärmegrenze erreicht ist. Ein geeigneter Zeitpunkt für diese Maßnahme ist vor der Nachtruhe, die Durchführung erfolgt 5 x pro Woche, dann je zwei Tage Pause. So kann einige Wochen lang fortgefahren werden.

Besonderer Hinweis zum HWG:
Aus rechtlichen Gründen beachten Sie bitte folgenden Hinweis: Grundsätzlich soll bei keiner meiner aufgeführten Therapien der Eindruck erweckt werden, dass diesen ein Heilversprechen meinerseits zugrunde liegt. Ebenso wenig kann aus den Ausführung abgeleitet werden dass, Linderung oder Verbesserung eines Krankheitszustandes garantiert oder versprochen werden.

Zu guter Letzt:

Bleiben Sie gelassen und setzen Sie sich und Ihren Partner nicht unter Druck. Es ist kein Ammenmärchen, dass es meist dann klappt, wenn man gar nicht mehr damit rechnet.

Wenn Sie weitere Fragen haben, rufen Sie mich an und wir sehen gemeinsam, wie ich Ihnen helfen kann.